Über die Ausstellung “Give love back” in Frankfurt

(erschienen in Spex Nr. 356)

Das Ata-Prinzip

Ata Macias ist nicht nur Gründer des Offenbacher Clubs Robert Johnson, sondern auch Label-, Bar- und Restaurantbesitzer, Plattenunterhalter, Modemacher – kurzum: Er widmet sich Dingen, die das Leben schöner und erträglicher machen. Weshalb es Menschen gibt, die die DJ-Legende spanisch-griechischer Abstammung den Angewandten Künsten zurechnen.
Die Kuratorinnen Eva Linhart und Mahret Kupka widmen dem Schaffen Ata Macias unter dem Titel „Give Love Back“ eine ganze Ausstellung im Frankfurter Museum Angewandte Kunst. Dabei stehe weniger die Person an sich, als vielmehr das „Ata-Prinzip“ im Mittelpunkt, welches darin bestehe, sich der Dinge zu bemächtigen und nicht nur Musik, sondern Gebrauchsgegenstände, Räumlichkeiten, Speisen etc. gestalterisch zu verschönern, die Menschen ästhetisch zu beschenken.
„Ich würde mich nicht als ernsthaften Künstler bezeichnen, sondern als angewandten Typen. Ich bin sehr handwerklich in allem was ich mache – für mich muss Kunst vor allem Spaß machen“, kommentiert Ata selber. In der Ausstellung finden sich Devotionalien und Fotos aus dem Robert Johnson, manuell angefertigter Schmuck für den Clubgänger, Kunsthandwerk aus Vinyl, Keramik und Leder, das es in einem angeschlossenen Concept Store zu kaufen gibt, sowie Objekte von langjährigen Weggefährten wie Tobias Rehberger oder Michael Riedel.
Der Konzeptkünstler Riedel wird einen „Remix“ seiner vor zehn Jahren entstandenen Installation „Johnson Robert“, welche den Club in einer Galerie auf dem Kopf stehend nachbaute und die Musik rückwärts laufen ließ, aufführen. Tobias Rehberger, vor kurzem erst mit einer Retrospektive in der Schirn geehrt, ist gleichfalls für spektakuläre Umgestaltungen sozialer Räume bekannt. Zur Biennale in Venedig hatte er 2009 eine Cafeteria renoviert und dafür den Goldenen Löwen eingeheimst. In „Give Love Back“ ist es eine Spiegelkugel, die in Gedenken an eine legendär ausgeuferte Party re-demoliert und zur Skulptur umfunktioniert wird. Eine legendär ausgeuferte Party, die im Museum angekommen ist, wird zwar definitiv vorbei sein. Das heißt aber nicht, dass nicht noch weitere legendäre Partys folgen werden. Auch wenn er seine DJ-Aktivitäten in letzter Zeit etwas heruntergefahren hat, will sich Ata als Lebensverschönerungsmaßnahmengestalter keineswegs zurückziehen. Idealerweise beschließt man diese Ausstellung also mit einem langen Dinner im Club Michel (dem von ihm im Bahnhofsviertel betriebenen Restaurant) und einer durchtanzten Nacht im Robert Johnson. Und gibt ein bisschen Liebe zurück.

Text: Sebastian Ingenhoff



3 Kommentare

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