Der Gesell – ein engagiertes Gedicht

 

Der Gesell 

In O. lebte ein armer Metzgersgeselle,
zwängte tagtäglich die Wurst in die Pelle.

Es war ohnehin sehr still und er schien ständig pleite,
dann kaum auch noch Tschernobyl,
das Cäsium vom Himmel schneite.

Die Tiere die zum Schlachten kamen,
warn verstrahlt ohne Erbarmen.

Alles voll mit Becquerel,
von Schweinedarm bis Rinderfell.

Der Meister den Gesell entlassen,
der da einsam in den Gassen.

Wie der so im Bette lag,
ganz ohne Kapitalumschlag,

und sich vor Sorgen schrecklich wand,
wie so viele in dem Land,

und schon zu sich selber sprach:
Kann Bretter für den Sarg mir hobeln!
Die zündende Idee ihn stach:
Muss selber mir die Wurst ausknobeln!

Ein eigenes Produkt kreieren,
ganz frei von stark verseuchten Tieren.

Befreit auch von Geschmacksverstärkern.
Keine Schweine mehr aus Kerkern.

Es herrsche reine Würze.
So warf er sich gleich in die Schürze.

Komponierte, malte, überdachte,
bis die absolute Wurst er schaffte.

Auf dem Diagrammpapier,
er zeichnete das Borstentier.

Dazu noch ein paar nette Zahlen,
damit er protzig konnte prahlen.

So er in die Bank spazierte,
wo er sich gleich exponierte.

Die absolute Wurst,
ich brauche Kohle,
sprach mit neuer Lebenslust,
und erntete Gejohle.

Das brachte Frust.

Der Bankfachangestellte kaute auf seiner Nickelbrille,
als er das Papier studierte,
das schien eine bittere Pille,
so der Gesell traurig stierte.

Da muss ich mit meinem Scheffe sprechen,
das kann ich nicht vom Zaune brechen,

sprach der Paragraphenreiter,
und verschwand im Hinterraum,
wo der Boss auf einer Leiter,
am Regal aus Teakholzbaum
inspizierte das Papier,
und rief: Das machen wir!

Doch so ganz ohne Valenzen,
kam er schnell an seine Grenzen.

Die absolute Wurst allein?
Das ging nicht, und so stellt‘ er ein.

Prokuristen, Fleischer, Einkaufsleiter,
brachten schnell die Firma weiter.

Die Jahre zogen ins Land,
alsbald die Wurst viel Käufer fand.

Es folgten Blut- und Brat- und Brüh-,
all das mit nur wenig Müh.

So also man expandierte,
und der Gesell ? – spazierte
in die Straßen der Stadt O. hinein,
auf der Suche nach ‘nem Gläschen Wein.

Fast traurig er im Inneren war,
denn beruflich schien zwar alles klar,

doch die Liebe er noch nicht gefunden,
sich bloß die Hände wund geschunden.

Das nun soll mein Leben sein?
Bin so einsam und allein.

Kann doch nicht bloß ständig raffen,
mach mich sonst ja voll zum Affen
der kapitalistischen Verwertungslogik,
statt sinnvolles zu schaffen
wie Musik, oder Heilpädagogik.

Da kam die Frau Charlotte,
die ging grad in die Grotte
(das war ‘ne heiße Diskothek,
die da lag auf ihrem Weg).

Sie zupfte den Gesell am Bart,
der war gleich hormonell am Start.

Das Paar zog kräftig auf die Piste,
dann ging es deftig in die Kiste.

Ihr beider Herz, das schlug Amore,
der Schweiße floss aus jeder Pore.

Er steckte ihr den Ring an‘ Finger,
Karatmäßig auch kein geringer,
sie trug ihn fort in seine Villa,
man traute sich mit viel Tequila.

Und so lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Das kam da schneller als man dachte,
wobei es sogar mächtig krachte,
denn das das Ende ihrer Tage,
brachte sehr viel Grund zur Klage.

Doch wir wollen nicht greifen vor,
denn der Erzähler ist kein Tor.

Der Fabrikant nun sprach zu sich:

Ein ruhiges Leben wollen wir führen,
und meine Arbeiter, die sich so rühren,

will ich belohnen.
Die sollen fortan thronen.

So mögen sie die Firma leiten,
nicht bloß die Maschinen reiten.

Mit ihren Därme füllenden Händen.
Denn über allen Stränden
liegt das Pflaster,
die Leute brauchen schließlich Zaster.

Die totale Mitbestimmung
statt der täglich Frustgewinnung.

Keiner muss den anderen mobben,
alle mögen freudig jobben.

Ein fleischliches Utopia,
das da ist für alle da!

All das kam ihm in den Sinne,
als er so sprach vor sich hinne.

Malte es auf ein Papier
und streckte es auf Din A4.

Glücklich und zufrieden,
tat er Sabbatpläne schmieden.

Doch die Rechnung machte er,
der nun war sein eigener Herr,
ohne den bösen Prokuristen.
Der zu tun mit seinen Fristen,

doch noch kurz vor Büroschluss,
das Din A 4 Papier entdeckte,
argwöhnte gleich den Geldabfluss,
und einen teuflisch Plan ausheckte.

Denn die sozialistische Idee,
die tat ihm im Herzen weh.

Und durch die Schenkung sei ja nichts gewonnen,
gar nicht für ihn, der ganz benommen
sich aufraffte, dann kräftig schiffte,
und sich besann, auf seine Gifte.

Speziell Rizin in kleinen Flaschen,
bequem für alle Westentaschen.

Und der Plan, der ging noch weiter,
und jetzt ward es richtig heiter.

Im Freundeskreis des Prokuristen,
da fand sich auch ein Ingenieur,
dem ist bekanntlich nichts zu schwör.

Der brach in Sachen Perfidie
so manches gerne übers Knie.

Zusammen mit dem Ingenieur,
konstruierte er‘n Roboter.

Sie schufen einen Doppelgänger,
als folgsamen Befehlsempfänger.

Ein Automat, der konnte lachen,
machte ganz genau die Sachen,
die sonst tat der Fabrikant.

War wie aus dem Gesicht geschnitten,
und ihnen ganz wohlgelitten.

So würden sie die Firma lenken,
sich alles in die Taschen schenken.

Doch ein Problem war noch im Land,
und das war der Fabrikant.

Der Prokurist anmutig wie‘n Gorilla,
geklettert rein in dessen Villa.

Das Gift er mischte in den Wein,
geschützt vom dunklen Abendschein.

Sich hinter einem Schrank versteckte,
und den Kopf mit Tuch bedeckte.

Als die beiden dann dinierten,
und liebestoll sich schon umschwirrten,
machten sie sich, oh welch weh,
an die Flasche Chardonnay.

Da Charlotte als erste trank,
wurde sie gleich richtig krank.

Richtig krank ist gut gesagt,
denn sie starb an Herzinfarkt.

Der Gesell sogleich erschrak,
nahm die Flasche in die Hand,
warf sie wütend an die Wand.

Der Prokurist war außer sich,
kam aus dem Versteck geschlich‘,
und schrie sogleich sein Opfer an:
Was bist du für ein dummer Mann?

Der, nun völlig überrumpelt
(denn früher waren sie gut verkumpelt),
fühlte sich jetzt gar nicht wohle,
blickte er in die Pistole,
die der Prokurist gezogen,
der sich sah nun selbst betrogen.

Denn es gab nur eine Leiche,
die ihm offenbar nicht reiche.

Der Mörder noch den Hahne spann,
das Opfer dadurch Zeit gewann.

Und wie in einem Film von Lynch,
er äußerte als letzten Wünsch,
er möge sich sogleich verwandeln,
die Erde wollte nicht verschandeln,
mit seinem totgeschossenen Körper.

Da doch die Welt manchmal so spielt,
wenn der Herrgott kräftig schielt,
ihm plötzlich wuchsen Federn,
der Prokurist krachledern,
sich vor Wut die Augen rieb,
wie der das Duell aufschieb.

Als er wieder gucken konnte,
sein Gehirn sich wohl stark sonnte,
weil er eine Eule sah,
die ihm keck flog in das Haar.

Daran zweimal kräftig zog,
da der ihn kackendreist betrog,
und ihm auf den Kopfe schiss,
der zu spät sah den ganzen Driss.

Die Eule kam dann wie im Fluge
fluchtmäßig noch gut zum Zuge,
der Prokurist guckte verdattert,
wie das Vieh ihm schnell entflattert.

Er schoss noch einmal in das Dunkel,
doch vernahm mehr kein Gemunkel.

Potzeblitz, das ist ja Käse,
verärgert ging er schnell nach Häse.

Die Eule flog nicht nur von dannen,
lebte fortan bei den Tannen,
nein, sie ging, ei ei ei,
fitzefatz zur Polizei,
und schwärzte die Verschwörer an,
der Gendarm sodann den Hörer nahm,
ließ die beiden gleich verhaften,
und den Automat zerstören,
die Schaulustigen töricht gafften,
sich wutbürgerlich konnten empören.

Die Schurken warf man in den Kerker,
den grad sanierten die Handwerker,
dort konnten sie noch Jahre gammeln,
die Mär von ihrer Unschuld stammeln.

Als die Arbeiter am nächsten Montag,
schauten ob’s noch Lohn und Fron gab,
im verwaisten Chefquartier,
fanden das Din A4 Papier.

Der Jubel war bei allen groß,
doch natürlich nicht klaglos,
man auch gedachte der Charlotte,
die das Opfer der Klamotte.

Mit der unverhofften Überschreibung
ging man schließlich zum Notar,
damit es nicht mehr kam zu Reibung,
wie in Filmen von Godard.

So war die Firma schließlich ihnen,
und die Eulen nicht das was sie schienen.

 



59 Kommentare

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